Tattva Viveka Nr. 96

Zeitschrift für Wissenschaft, Philosophie & spirituelle Kultur

Tattva Viveka, 2023, 109 Seiten durchgeh. 4c, 27,7 x 20,8 cm, geklammert

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Schwerpunkt: Bewusstsein

Artikel dieser Ausgabe:

  • Die gesellschaftliche Akzeptanz von Achtsamkeit und Spiritualität
  • Das Geistige ist die treibende Kraft
  • Von Märchen, Heiligen Büchern & anderen Narrativen
  • Wie funktioniert die Wirklichkeit?
  • Bewusstsein, Leben und Kohärenz
  • Holistische Bewusstseinsentfaltung
Was bestimmt die Wirklichkeit: Materie oder Bewusstsein? Diese Frage ist schon alt und immer noch nicht entschieden. Die Gehirnforscherin Prof. Dr. Tania Singer, die ca. 20 Jahre lang an den Mind and Life-Konferenzen des Dalai Lama teilnahm, berichtete mir, dass diese Frage jedes Mal diskutiert und darüber gestritten wurde. Aber keiner weiß die Antwort. Nun ja, vielleicht gibt es darauf keine Antwort. Oder vielleicht gibt es noch ein Drittes hinter dem Geist und der Materie, was diese beiden polaren Teilkräfte zur Synthese bringt. Vielleicht bedarf es einer weitergehenden transrationalen Überlegung.
 
Einstweilen möchte ich mich damit begnügen, beide möglichen Antworten als axiomatisch zu betrachten, das heißt als grundlegende Aussagen, die so essenziell sind, dass man sie nicht weiter beweisen kann (wie zum Beispiel 1 + 1 = 2). Ein Axiom ist eine nicht weiter beweisbare Grundaussage über die Wirklichkeit.
 
Je nachdem, welches der beiden Axiome ich an den Anfang stelle, komme ich zu unterschiedlichen Ergebnissen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass die Materie die Grundlage der Wirklichkeit ist, und so ist für sie das Gehirn der Ursprung des Bewusstseins. Die spirituellen Traditionen sagen, dass wir spirituelle, also nicht-materielle Wesen sind, reiner Geist, ewige unsterbliche Seele, somit also Bewusstsein, dass nicht materiell-empirisch detektiert werden kann. Das Bewusstsein ist aus dieser Sicht der Ursprung des Körpers.
 
Welche Überlegungen ergeben sich, wenn wir das Bewusstsein an den Anfang stellen? Was würde es bedeuten, wenn das Bewusstsein vor der Materie da wäre und diese Materie formt, ja bisweilen sogar erst materialisiert? Das hätte ganz andere Konsequenzen zum Beispiel für die Medizin, aber auch für unsere gesellschaftliche Organisation und unser gesamtes Menschenbild. Dieser Ausgangspunkt würde uns neue Bereiche des Sinns erschließen und das menschliche Leben in einen viel größeren Bezugsrahmen stellen als den der raumzeitlichen 3-D Welt.
 
Aus einer solchen axiomatischen Setzung ergibt sich ein ganz neues Weltbild mit neuen Lösungsmöglichkeiten für die dringenden Probleme unserer Zeit. Höchstwahrscheinlich sind diese Probleme überhaupt erst durch unser materielles, empiristisches Denken entstanden. Wir verstehen so nicht, was den Menschen wirklich bewegt, was er braucht und was ihn glücklich macht.
 
Gemäß den spirituellen Traditionen sind wir ursprünglich reines Bewusstsein. Was uns wirklich erfüllt, sind deshalb nicht die materiellen Güter, sondern unsere inneren Qualitäten: die Liebe, die Wahrheit, seelisches Glück, Wissen, Sein, Gott.
 
Andererseits haben wir uns entschieden, in der materiellen Welt zu leben. Und hier gibt es Naturgesetze, denen wir untergeordnet sind. Die Materie könnte aber auch eine göttliche Energie sein – so ein weiteres Axiom. Die Gesetze von Raum und Zeit würden uns dann am Ende genauso zu Gott führen wie unsere spirituellen Qualitäten. Ich denke schon, dass dem so ist, aber es dauert länger und tut manchmal weh. ;)

 



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