Überwältigung

Programmheft zu den Nibelungen-Festspielen 2019

Von Melle, Th., Laue, Th.

Worms-Verlag, 2019, 40 S., 33 Abb., ca. 19 x 25 cm

ISBN: 978-3-947884-08-7

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Am Anfang steht bei diesen „Nibelungen“ das Ende: Die Geschichte von Autor Thomas Melle beginnt mit dem blutigen Finale der Nibelungensage am Hof des Hunnenkönigs Etzel. Dreizehn Jahre lang hat Kriemhild hier auf den Moment der Rache gewartet, in dem die Mörder für den Tod des Drachentöters Siegfried, ihres Mannes, büßen werden: ihre Brüder Gunther und Gernot und natürlich Hagen, der Kriemhild das Geheimnis von Siegfrieds verwundbarer Stelle entlockt hatte, um ihn dann im hinterhältigen Intrigenspiel um Macht und Einfluss zu verraten, ihn hinterrücks zu erdolchen und anschließend den Nibelungenschatz im Rhein zu versenken. Mit Etzel ist sie ins ferne Hunnenreich gezogen, sie ist seine Frau geworden und hat mit ihm ein Kind gezeugt: Ortlieb, fünf Jahre alt. Und nun also das Ende von allem: Ein lang erwarteter Besuch der Burgunder am Etzelhof führt nach all den Jahren nicht zur Versöhnung, sondern zum blutigen Gemetzel. Damit wäre die Geschichte – wieder einmal – konsequent und vorhersehbar zu Ende gebracht: Siegfried ist gerächt, Kriemhild erlöst, alle Beteiligten sind tot, das letzte Kapitel der Nibelungen ist erzählt. Doch diesmal ist es anders. Denn einer steht auf zwischen all den Toten und protestiert: Ortlieb, Kriemhilds Sohn, begehrt auf gegen das Schlachten und Morden, gegen Grausamkeit und Vernichtung. Vor allem aber gegen seinen eigenen Tod. Ortlieb fordert ein Recht auf Leben, pocht auf sein Anrecht auf eine eigene Geschichte, in der er selbst mehr ist als eine tragische Nebenfigur, die, kaum ins Leben geworfen, schon wieder tot ist. Die Geschichte soll noch einmal von vorne beginnen, fordert Ortlieb, und neu erzählt werden. Aber bitte mit einem anderen Verlauf und vor allem unter der Maßgabe, dass er, Ortlieb, leben möge …

Unter der Intendanz von Nico Hofmann hat Regisseurin Lilja Rupprecht das Stück von Thomas Melle auf die Freilicht-Bühne der Wormser Nibelungen-Festspiele gebracht. Zum prominenten Ensemble gehörten unter anderem Klaus-Maria Brandauer, Inga Busch, Kathleen Morgeneyer, Alexander Simon und Boris Aljinovic.

Das Heft enthält neben zahlreichen großformatigen Farbfotos der Aufführung einen Originalbeitrag des Dramaturgen Thomas Laue und ein Interview mit Autor Thomas Melle.



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