Gesänge von Licht und Leben, m. Audio-CD

Mit dem Gregorianischen Choral Tod und Auferstehung meditieren. Ein Übungsbuch mit CD. Die CD enthält die behandelten Choräle in einer Aufnahme mit den Münchner Scholaren, Leitung: Gregor Baumhof

Von Baumhof, Gregor

Kösel, 2010. 175 S. m. farb. Abb. u. Modalnotation. 22,5 cm, Gebunden

ISBN: 978-3-466-36834-1

19,95 €

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Wenn Gebet Gesang wird: Der Reichtum des Gregorianischen Chorals

Die tiefe Schönheit des Gregorianischen Chorals bringt uns der Benediktinermönch Gregor Baumhof näher. Nach dem erfolgreichen Band "Gesänge der Stille" zu Advent und Weihnachten stellt er diesmal die Gesänge der Fasten- und Osterzeit vor und erschließt sie für unser Leben heute. Alle Gesänge wurden eigens für die beigefügte CD aufgenommen.

Wann immer Sie diese Zeilen lesen: Es gibt im Verlauf des Jahres eine Zeit, in der die ausgeruhten Formen des Winters in Bewegung geraten, in der die Wärme endlich!) den Würgegriff des Frostes (manchmal nur sehr zögerlich) löst und in der wir von einer ungeheuren Fülle von Einzelheiten überwältigt werden. Wenn wir nur unsere Sinne aufmachen, wenn wir hinausgehen aus der warmen Stube, wo wollen wir anfangen wahrzunehmen? Bei den Blumen, deren Leben uns mit großem Trost trösten kann, bei den Bäumen, die mit einem unvergleichlich zarten Grün zeigen, wie lebendig sie sind, oder bei dem Gesang der zurückgekehrten Singvögel, bei dem frischen Duft, der die Luft erfüllt? Gerade im Frühling gibt es große Chancen, das Wunder des Lebens neu zu erfahren und nach dem nachdenklichen Winter wieder den Kontakt zu dieser anderen Erkenntnisquelle zu finden, die da heißt: Staunen!
Was sich ereignet und was wir von außen wahrzunehmen in der Lage sind, ist aufs innigste mit dem verbunden, was wir in uns tragen und was wir im Gegenzug der Außenwelt entgegenhalten können: Echte Begegnung ist wie Frage und Antwort, eines gibt noch kein Gespräch. Wenn wir also nichts der Natur oder dem Frühling Entsprechendes in uns tragen, so bleibt die Erfahrung mit ihr und mit ihm stumm und blind. Der Introitus "Invocabit" und der Introitus "Oculi" werden davon noch sprechen, besser gesagt: singen.
Aber warum rede ich davon? Weil diese innere Aktivität, die zur Natur-Frühlingsbeziehung gehört, auch ein Bild und ein Gleichnis ist für jene innere Aktivität, mit der wir feiern. Wir können Festfeiern nicht erleben in distanziertem Bewusstsein von autonomer Selbstbestimmtheit und ohne uns auf den Vollzug des Ritus in der Liturgie in eigener Weise einzustellen. Wir müssen uns auf Den einlassen, der in unserem Inneren, in der Mitte unseres Wesens, in unserem "Herzen" aktiv ist und auch im Außen Gestalt annehmen, der in uns Mensch werden möchte. Der uns mit seiner Lebens- und Lichtfülle durchdringen will, uns aus der "Ich-Starre" in lebensvolle Bewegung bringen will, und dies nicht nur einen Sommer lang, sondern in jedem Jetzt der Gegenwart und ein ganzes ewiges Leben lang. So kann uns zu Beginn dieses Buches der gewählte Ausgangspunkt "Frühling" Anlass sein, das wirkliche Leben zu bedenken, das Leben, das sich einer Wirklichkeit verdankt, die nicht von dieser Erde ist, auf ihr aber in der Schönheit der Dinge immer aufleuchtet.
Die Gesänge des Gregorianischen Chorals, die in diesem Buch übend betrachtet werden, sind von Menschen geschaffen, die sich ein Leben lang in dieser Kontaktpflege zum wahren Leben und zum Urgrund dieses Lebens geübt haben. Diese Gesänge, deren Melodien als erklingender Text, als Wortklang gedeutet werden können, haben in diesem inneren Erleben und weniger im distanzierten "Überlegen" ihren Ausgangspunkt. Sie sind deshalb ganz besonders geeignet, uns zu helfen, den Zugang zu dieser Beziehung neu zu finden, wo wir ihn verloren haben, und diese Beziehungen neu zu vertiefen und zu kräftigen, wo wir meinen, sie gepflegt zu haben. Diese Gesänge mögen als helfende Begleiter dienen, dass auch wir wieder den Weg vom sinnlich Wahrnehmbaren zur inneren Wahrnehmung der Wirklichkeit vollziehen können. Alle Zeichen und Symbole, die uns im Verlaufe des Buches begegnen werden, wollen zeigen, dass die neue Schöpfung, die mit der Auferstehung beginnt, die erste Schöpfung nicht herabsetzt, sondern verwandelt. Die Zeichen und Symbole sprechen die Sinne an. Die Wirklichkeit aber, auf die sie hinzeigen wie der Finger des Johannes auf den Gekreuzigten auf Meister Grünewalds Isenheimer Altar, ist nur dem Glauben zugänglich, dessen Augen auch das Unsichtbare sehen, dessen Ohren auch das Unerhörte hören. Was könnte besser dazu anleiten, diese "Osteraugen" und diese "Osterohren" zu entwickeln und zu üben, als die Gesänge des Gregorianischen Chorals, die ihren Lebensatem aus der Herzensbeziehung zum Urgrund der Wirklichk

Frater Gregor Baumhof OSB, geb. 1948, hat Mathematik und Musik studiert. Seit vielen Jahren beschäftigt sich der Benediktinermönch der Abtei Niederaltaich intensiv mit dem Gregorianischen Choral und gibt zahlreiche Kurse im In- und Ausland. Er ist Dozent an der Hochschule für Musik und Theater, München, und Leiter des 2006 gegründeten Hauses für Gregorianik in München.



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