Gastbeitrag: Astrologische Vorausschau auf das Venusjahr 2018 – von Andreas Bleeck

2. Januar 2018

Das neue Jahr steht unter dem Zeichen der Venus. Sie bringt die Liebe in unser Leben und macht uns den Wert des Zwischenmenschlichen bewusst. Doch das neue Jahr bringt uns natürlich auch wieder ein Stück weiter in die digitale Welt. Ob wir es wollen oder nicht. Und da mit Lilith, Saturn und Pluto drei Planeten momentan in Steinbock stehen, empfinden wir den damit verbundenen Anpassungsdruck als besonders hart und manchmal auch ungerecht. Gleichzeitig passiert aber auch etwas sehr wichtiges. Wir werden uns bewusst darüber, wie wir zusammenleben wollen und unter welchen Regeln (Steinbock) dies zu geschehen hat.

Die letzten Jahre hat sich so etwas wie eine ‚Rosinenpickerstimmung‘ breitgemacht. Jeder hat sich das herausgegriffen, was ihm am besten gefiel und alles andere mehr oder weniger erfolgreich ausgeblendet. Wo derartige Verdrängungsmechanismen besonders stark wirkten, fällt den Menschen jetzt die Sache auf die Füße. Und das bereitet Unbehagen. Amerika möchte zurück zu den Reaganomics, kündigt Verträge auf, lockert die Bankenregulierung und forciert einen Wildwestkapitalismus, der vor kurzem noch als überholt galt.

Auch in der EU macht jeder was er will. Die Engländer haben keine Lust mehr und treten einfach aus. Polen verändert sein Rechtssystem und setzte Richter nach dem Vorbild von Erdogan und Putin durch die Politik ein. Ungarn baut einfach einen Stacheldrahtzaun und hofft, dass es nach dem Dornröschenschlaf im Jahr 1937 aufwacht. Frankreich ersetzt zwei Drittel seines Parlaments mit einer Partei, die von einem Banker gegründet wurde. Und in Deutschland will trotz sechs demokratisch gewählter Parteien keiner mehr mit dem anderen regieren. Zu groß waren die Kompromisse (um des Gewinnes willen), unter denen man sich in der Vergangenheit zusammengetan hat.

In den nächsten Jahren, wenn Pluto in das Zeichen Wassermann strebt, wird jedem Menschen unweigerlich bewusst werden, dass er eine Entscheidung zu treffen hat, wie er leben will, wenn er in seine Kraft kommen und eigenbestimmt handeln will. Wenn er mit seinen Nachbarn in Frieden leben will, dann muss er aufhören, in Konsumkategorien zu denken, und anfangen, nach Regeln für ein gemeinsames Zusammenleben zu suchen, die für alle verbindlich sind. Er wird das Wirtschaftssystem und die Behandlung von Tieren und Pflanzen hinterfragen, die für seinen Bauch leiden, und die Ausbeutung und Vergiftung der Natur stoppen. Das wird letztendlich bald eine Selbstverständlichkeit sein und wir werden uns fragen, wie wir nur solange so handeln konnten. Mit Pluto in Steinbock ging es die letzten Jahre darum, diese Missstände deutlich anzusprechen und nach allgemeinverbindlichen Regeln zu fragen, die für alle gelten können. Doch Regeln nützen nur etwas, wenn sie verstanden und aus einer Freiheit heraus verinnerlich sind.

Die Venus wird uns im kommenden Jahr helfen, uns mit unserem Herzen zu verbinden und das Schöne wiederzufinden, das vielleicht verloren schien. Frieden kann es nur geben, wenn sich jeder einzelne für diese Freiheit einsetzt, und Reflexe der Obrigkeitshörigkeit, Gewalt- Sucht- und Vermeidungsverhalten aufdecken hilft. Lilith in Steinbock fragt nächstes Jahr den Kern derartiger schädlicher, aus der patriarchalischen Vergangenheit übrig gebliebene Verhaltensweisen ab. Sie hinterfragt zusammen mit Jupiter im Skorpion das Gehabe von Machthabern und Machos, von Eliten und Unterdrückungsmechanismen, über die lange Zeit geschwiegen wurde. Sie tut dies, um zu einer besseren Ordnung zu gelangen. Denn auch Saturn, der Regent des Zeichens Steinbocks, steht für die nächsten drei Jahre dort. Es gibt konstruktive Lösungen für viele Probleme, die uns in der Vergangenheit als unlösbar erschienen. Lösungen für sanfte Energiegewinnung, Vermeidung von Pflanzengiften, Bereitstellung von bezahlbarem Wohnraum, saubere Atemluft in Städten usw.

Die Gewohnheit hält uns bislang auf, Änderungen vorzunehmen. Immer mehr unserer Verhaltensweisen scheinen einfach sinnlos, das Mikro-Plastik, das in die Meere strömt, die Hormone im Essen, das Erzeugen von Krankheiten für den Profit, die Gängelung von Kindern, die den Lernstoff nicht mehr verarbeiten können usw. Es geht im Venus-Jahr darum, pragmatische Alternativen zu etablieren, die ein gesünderes Zusammenleben ermöglichen. Denn Venus ist die Regentin über das Zeichen Stier und dieser steht in der Astrologie auch für Gemeinschaft und Werte, deren wir uns besser bewusst werden, wenn wir sie auch praktisch umsetzen können.

Doch Änderungen im Kleinen werden nicht leicht sein, denn das Mantra des Wachstums schwebt über der Moderne, wie einst Baal über Kanaan. Viele können sich heute eine Familie ‚nicht mehr leisten‘, weil das Geld und die Zeit nicht reicht. Dem Steinbock gegenüber steht der Krebs. Dort findet sich die Lösung im authentischen Kontakt mit den Nächsten und dem Kultivieren von Gemeinschaft. In kleinen Gruppen kann man sich in wichtigen Lebensfragen unterstützen und die wirkliche Bedeutung von Regeln am eigenen Leib erfahren. Herausfinden, was sinnvoll ist und was nicht darf jeder für sich. So können wir vom Stress abschalten und in uns gehen und das finden, was wir wirklich lieben.

Die Missstände ansprechen, ohne Schuldige zu brandmarken, das Unheil benennen, ohne Angst auszulösen, den Konflikt auf den Punkt bringen, ohne den anderen zu konfrontieren – das ist die Kunst des Zusammenlebens im Kleinen. Die Venus kann es durch die Blume sagen, so dass sie niemanden verletzt und doch unmissverständlich verstanden wird. Wenn es gelingt, eine solche gewaltfreie Kommunikationskultur auf das Große zu übertragen, sind die angesprochenen Änderungen möglich und noch vieles mehr.

Das nächste Jahr ist so etwas wie der Beginn für einen Zusammenschluss der Kleinen, die Gemeinsames erreichen wollen. Sich Zeit nehmen für etwas, was man schon länger vor sich herschiebt. Am Haus etwas reparieren oder den Garten neu gestalten können Dinge sein, die unser Herz nächstes Jahr erfreuen. Mit Freunden einen Urlaub planen, sich mal wieder einem guten Buch zu widmen oder seine Ernährung umzustellen brauchen nicht bloß Vorsätze zu bleiben. Aber nur, wenn es mit Freude verbunden ist. Glücklich sein kann man auch ohne Geld. Es ist genug für alle da.

Andreas Bleeck

Bisherige Veröffentlichungen:

Soziale Archetypen – Planeten-Matrix entschlüsselt
Was ist Mythos – Astrologie 2.0
Astrologische Soziologie Bd. 1 – Die Evolution psycho-sozialer Systeme
Astrologische Soziologie Bd. 2 – Rolle und Ideal
Tehuacan Bd. 1 – Die Stadt der Träume
Tehuacan – Die Überfahrt


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